Licht und Schatten – das neue Ziel der europäischen Geldpolitik

Die Neuausrichtung des geldpolitischen Ziels der Europäischen Zentralbank (EZB) gleicht einer Revolution: Der Zentralbankrat hat nach zwanzig Jahren die Zielgröße, an der sich die Geldpolitik orientiert und an der sie gemessen werden will, verändert. Nicht mehr „unter, aber nahe bei zwei Prozent“ liegt ab jetzt die für die Eurozone angestrebte Inflationsrate, sondern bei mittelfristig zwei Prozent. Und zwar dergestalt, dass Abweichungen von dieser Zielrate nach oben und nach unten gleichermaßen unerwünscht sind, wie es in der Erklärung zur geldpolitischen Strategie der EZB heißt. Das bedeutet, wenn die tatsächlich festgestellte Inflationsrate im Euroraum unter der Zielmarke liegt, wird das genauso negativ gewertet, wie wenn die Inflationsrate über der Marke liegt.

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Light and shadow – the new goal of European monetary policy

The realignment of the European Central Bank’s (ECB) monetary policy target resembles a revolution: After twenty years, the Central Bank Council has changed the target figure on which monetary policy is based and against which it wants to be measured. From now on, the inflation rate targeted for the euro zone will no longer be „below but close to two percent“, but two percent in the medium term. And it has done so in such a way that deviations from this target rate, both upward and downward, are equally undesirable, as the statement on the ECB’s monetary policy strategy puts it. This means that if the actual inflation rate in the euro area is below the target rate, this is considered just as negative as if the inflation rate is above the target rate.

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Die Türkei und das Kreuz mit der Währungssouveränität

Der Fall Türkei zeigt, Währungssouveränität ist eine Fata Morgana. Um sich aus der Spekulationsfalle zu befreien, wird sich das Land mit seiner Inflationsrate der westlichen Welt anpassen müssen.

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Unser Geldsystem VI: Flexible Löhne oder flexible Gewinne?

Die Ölpreiskrisen brachten nicht nur für die Geldpolitik bedeutsame Einsichten, sie hätten auch zu einem besseren Verständnis des Verhältnisses von Geld- und Lohnpolitik beitragen können und zu einer neuen Rollenverteilung in der Wirtschaftspolitik, wäre man bereit gewesen, unvoreingenommen über die Erfahrungen nachzudenken und zu reden, die in den siebziger Jahren gemacht wurden.

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Inflation schadet der Kaufkraft – klar. Oder doch nicht?

Ein Leser erkundigt sich nach dem Zusammenhang von Kaufkraft und Inflation bzw. Deflation. Er fragt sich, wie eine sich verschlechternde Kaufkraft, also ein Rückgang der realen Masseneinkommen, mit der von uns regelmäßig geäußerten Warnung vor Deflation einhergehen könne. Denn sei es nicht so, dass Inflation an der Kaufkraft von Arbeitnehmern und Rentner zehre, während bei Deflation, d.h. bei fallenden Preisen, quasi mehr in den Taschen der Konsumenten stecke?

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Aufschwung in Deutschland bei Deflation?

Noch ein Nachtrag zu meinem Beitrag „Aufschwung in Europa bei Deflation?“ von vergangenem Freitag: Gerade sind die August-Daten zu den Erzeugerpreisen in Deutschland vom Statistischen Bundesamt veröffentlicht worden. In der Pressemitteilung heißt es, dass der Index der Erzeugerpreise gewerblicher Produkte (Inlandsabsatz) im Vorjahresvergleich um 0,5% gefallen ist, was vor allem auf die um 2% gesunkenen Energiepreise und die um 1,5% rückläufigen Preise für Vorleistungsgüter zurückzuführen sei. Da die Entwicklung der Energiepreise stark von Importpreisen abhängt, interessiert für die Beurteilung der Lage deutscher Unternehmen der Preisindex ohne Energie noch mehr als der Gesamtindex. Dieser Teilindex bewegt sich mit +0,1% gegenüber Vorjahr im August nur noch hauchdünn über der Null-Linie (s. Abbildung).

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Aufschwung in Europa bei Deflation?

Vergangenen Montag gab das Statistische Amt der Europäischen Union Eurostat in einer Pressemitteilung bekannt, dass die Zunahme der Verbraucherpreise im Euroraum im September gegenüber dem Vorjahresmonat gemäß einer Schnellschätzung des Amtes auf 1,1% gesunken ist. Dabei verzeichnet der Teilindex für Energie einen absoluten Rückgang (- 0,9%), der für Nahrungsmittel, Alkohol und Tabak einen deutlichen Anstieg (+ 2,6%). Die Inflationsrate aus Sicht der Verbraucher ist also weiter auf Talfahrt, übrigens auch dann, wenn man die beiden genannten Teilindizes außen vorlässt und sich nur die sog. Kerninflationsrate ansieht. Deren Zuwachs liegt im September gegenüber Vorjahr bei 1,0%. Damit ist die Preissteigerungsrate von dem Zielwert, bei dem die Europäische Zentralbank (EZB) das Preisniveau als stabil ansieht und den sie daher anstrebt, nämlich knapp unter 2%, beträchtlich entfernt (vgl. Abbildung 1).

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Der Zins, die Schulden und die Geldpolitik – Teil III: Warum greift die Zinspolitik der EZB nicht?

Im ersten Teil und im zweiten Teil dieser Serie wurde die Politik des billigen Geldes der Europäische Zentralbank (EZB) gegen die Kritik verteidigt, sie sei falsch und schädige die Sparer. Zugleich wurde ihre offensichtliche, aktuelle Wirkungslosigkeit konstatiert – den kleinen und mittelständischen Unternehmen in Südeuropa leihen die Banken trotzdem kein Geld zu entsprechend niedrigen Zinsen, und die Investitionstätigkeit in der Eurozone ist auf dem Rückzug. Ist dann meine Position nicht ein Widerspruch in sich? Wenn die Zinssenkung für die Konjunktur zumindest derzeit nichts bringt und die Sparer mit Niedrigstzinsen vorlieb nehmen müssen, dann hätte diese geldpolitische Maßnahme doch besser unterbleiben sollen, oder? Neben der ungünstigen Situation für Sparer heute wird von Kritikern der Geldpolitik betont, das billige Geld stelle eine Gefahr für die Geldwertstabilität von morgen oder übermorgen dar. Insbesondere heize es die Nachfrage nach langlebigen Konsumgütern, Edelmetallen und anderen Rohstoffen sowie Wohnungseigentum an und führe so zu Preissteigerungen auf den entsprechenden Märkten, die sich über kurz oder lang auch auf anderen Märkten bemerkbar machten. Z.B. mündeten stark steigende Immobilienpreise hierzulande irgendwann in stark steigende Mieten. Ziehen die Rohstoffpreise an, wirke sich das letzten Endes auch auf die Preise der Güter aus, zu deren Herstellung die Rohstoffe benötigt werden. Die Zeche zahle in jedem Fall der Verbraucher (und der Sparer), wenn schon nicht heute, dann doch ganz sicher in der Zukunft.

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