Unser Geldsystem XVIII– Der Zins (3)

Wir haben im zweiten Teil unserer Analyse zum Zins festgestellt, dass der Zins in weiten Teilen direktes oder indirektes Ergebnis der Wirtschaftspolitik ist. Wir haben auch festgestellt, dass die Standardökonomie das ignoriert oder sogar ausdrücklich verneint und schon deswegen zur Erklärung wirtschaftlicher Dynamik nichts beitragen kann. Aber es kommt noch schlimmer. Die Standardökonomie hat ein Glasperlenspiel zur Beschreibung wirtschaftlicher Stationarität erfunden, in dem sie den Zins (am Kapital- oder Geldmarkt) mit der Rendite auf Sachkapital gleichsetzt. Die Gleichsetzung des Zinses, der für Kredite bezahlt werden muss, mit der bei Investitionen in Sachkapital anfallenden Rendite ist ein unmittelbarer Beweis dafür, dass man im ökonomischen Standardmodell gar nicht erst versucht, die Wirklichkeit einer dynamischen Entwicklung von monetären Marktwirtschaften zum Fokus der Analyse zu machen. Es gibt in der Standardökonomie keine Gewinne bzw. sollte es sie doch geben, dann nur vorübergehend, weil sie auf Dauer bei hinreichend starkem Wettbewerb wegkonkurriert werden. Im langfristigen Gleichgewicht sind aber alle Gewinne wegkonkurriert worden. Und dieses langfristige Gleichgewicht ist das, wofür sich die meisten Ökonomen interessieren. Das führt dazu, dass die Ergebnisse dieses Glasperlenspiels und daraus gezogene Schlussfolgerungen für die reale Welt nutzlos, ja oft sogar schädlich und eigentlich nur für die Glasperlenspieler in der „Wissenschaft“ selbst von Interesse sind.

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Unser Geldsystem XVII – Der Zins (2)

Im ersten Teil zu den Zinsen haben wir gesehen, wie eng miteinander verbunden die Zyklen der Zinsen über die großen Wirtschaftsräumen USA, Europa und Japan hinweg sind. Wie aber ist es mit dem Einfluss des Marktgeschehens auf den Zins? Bestimmen Angebot und Nachfrage nach Kapital bzw. Geld die Zinsen und welche Rolle spielt dabei die Notenbank? Erleben wir gerade eine historische Wende in der Geldpolitik aller großen Wirtschaftsregionen?

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Unser Geldsystem XVI – Der Zins (1)

Ob der Zins ein ganz besonderer Preis ist, wird in der Gesellschaft und in der Volkswirtschaftslehre schon viele Jahrhunderte lang heftig diskutiert. Im Islam gibt es ein Zinsverbot, und auch in christlichen Gesellschaften standen Wucherzinsen im Mittelpunkt vieler Auseinandersetzungen. Nicht umsonst wurde auch in den westlichen Gesellschaften der Wucher mit dem Zins gesetzlich verboten, und in der ach so freien Marktwirtschaft, die Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg einführte, war der Habenzins, den die Banken auf Einlagen zahlten, bis in die 60er Jahre hinein gesetzlich vorgeschrieben.

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Unser Geldsystem XV – Was ist eigentlich Geld?

Ein Leser bemerkt zu einem unserer Artikel im Zusammenhang mit Sparen und Verschulden, es sei doch eine, wenn auch weit verbreitete Fiktion zu glauben, unsere Banknoten stellten eine Forderung gegenüber der Zentralbank dar. Diese Fiktion stamme wohl aus Zeiten des Goldstandards, als man von der Zentralbank tatsächlich den Umtausch von Geldscheinen in Gold verlangen konnte. Der Leser meint, wenn Geld überhaupt eine Art Forderung darstelle, dann nur eine „gegen den Markt“, weil man nur dort etwas eintauschen, etwas kaufen könne. Diese Frage ist sicher von allgemeinem Interesse für unsere Leser und passt sehr gut in unsere Serie über das Geldsystem. Wir werden in den abschließenden Folgen unsere eigene Auffassung, was Geld eigentlich ist und welche Rolle es im Rahmen einer monetären Marktwirtschaft gegenüber der Realwirtschaft spielt und spielen sollte, klarer darlegen und wirtschaftspolitische Schlussfolgerungen daraus ziehen.

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Unser Geldsystem XIV – Regionalgeld, privates Geld und Bitcoin

Die Frustration hinsichtlich des von den Staaten geschaffenen Geldsystems treibt mitunter erstaunliche Blüten. So wird Regionalgeld geschaffen (der Chiemgauer ist eines der bekanntesten in Deutschland) oder man kreiert Tauschringe, die versuchen, weitgehend ohne Geld auszukommen. Dabei geht es oft nicht nur um Geld an sich bzw. um dessen Vermeidung, sondern auch um die mit dem Geldsystem in unauflöslicher Verbindung gesehene Art des Wirtschaftens, also etwa um den verantwortungslosen Ressourcenverbrauch, das Verschwinden regionaler Vielfalt durch die Konkurrenz überregionaler Großanbieter oder auch die Bewertung von Arbeitsleistung und die Bedingungen, unter denen gearbeitet wird.

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Unser Geldsystem XII – Der Goldstandard und der Mythos von der absoluten Preisstabilität

„Nach Golde drängt, am Golde hängt doch alles“, meinen in Übereinstimmung mit Goethes Gretchen auch heute noch viele Menschen. Die Existenz eines aus dem Nichts geschaffenen und sozusagen mit nichts besicherten Papiergeldes erscheint ihnen zu unwahrscheinlich, zu ungewiss oder gar gefährlich, um ‚wahr’ oder doch wenigstens von Dauer sein zu können. War es nicht das Gold, das weltweit für viele Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts Stabilität geschaffen und garantiert hatte, obwohl es kaum internationale Zusammenarbeit im heutigen Sinne gab? War es nicht dieses „barbarische Relikt“, wie Keynes es genannt hatte, das auch nach dem Zweiten Weltkrieg noch dem globalen Währungssystem von Bretton Woods einen festen Anker gegeben hatte, jedenfalls so lange, bis die Amerikaner die Goldeinlösung der am Bretton Woods beteiligten Währungen suspendierten? Und ist es nicht Gold,
das in den vergangenen Jahren erneut erheblich an Wert gewonnen hat, weil die Menschen das Vertrauen in die Papierwährungen verlieren, was besser als alles andere zeigt, dass ein ungedecktes Geldsystem scheitern muss?

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Unser Geldsystem XI – Was von den letzten vierzig Jahren bleibt

Vor ein paar Tagen habe ich an einer Konferenz teilgenommen, auf der es zum einen um die Erkenntnisse Hyman Minskys ging, also platt ausgedrückt um den sich selbstverstärkenden Charakter von Finanzblasen. Zum anderen wurde auf der Konferenz auch über Geldpolitik und Deflation gesprochen. Wie schon im letzten Teil dieser Beitragsserie zu unserem Geldsystem festgestellt, hat sich auch hier wieder für mich bestätigt, dass der Monetarismus tot ist. Nur scheint kaum jemand zu wissen, was an seine Stelle treten soll.

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Unser Geldsystem X – Das erste Jahrzehnt des neuen Jahrtausends bringt das endgültige Ende des Monetarismus, aber auch eine neue Dimension des Finanzmarktversagens

Im Jahr 1997 reisten Oskar Lafontaine (damals Parteivorsitzender der SPD) und ich in die USA. Wir hatten neben vielen anderen Treffen ein langes Gespräch mit Alan Greenspan, dem legendären und damals noch global bewunderten Vorsitzenden des Federal Reserve Systems, also der amerikanischen Zentralbank.

Das Gespräch, das Greenspan nur in Begleitung einer Person aus seinem Stab mit uns beiden führte, war höchst interessant. Er erklärte im Detail, wieso er bereit war, gegen das damals noch herrschende monetaristische Dogma von der natürlichen Arbeitslosigkeit zu verstoßen und weit länger, als es dieses Dogma vorsah, auf eine das Wachstum und die Beschäftigung stimulierende Geldpolitik zu setzen. Greenspan vertrat die Konzeption einer flexiblen und auf die konjunkturelle Situation abgestellten Geldpolitik, da aus seiner Sicht die Geldpolitik bei realistischer Betrachtung der zeitlichen Abläufe jederzeit in der Lage sei, eine im Entstehen begriffene Inflationsbeschleunigung ohne große Mühe abzubremsen.

Nach dem Gespräch waren Oskar Lafontaine und ich uns einig, das wir in Greenspan den exakten Gegenpart zu den dogmatischen, vom Monetarismus geprägten europäischen Notenbankern, am besten verkörpert durch den damaligen Bundesbankpräsidenten Hans Tietmeyer, gesehen hatten. Wir waren allerdings nicht so optimistisch zu glauben, dass sich die Ära der dogmatischen Monetaristen so schnell ihrem Ende zuneigen würde, wie es dann tatsächlich geschah. Greenspans Position zu den Märkten im Allgemeinen und sein grenzenloser Optimismus hinsichtlich der Rationalität der Finanzmärkte, die ihm später zu Recht viel Kritik einbrachte, war nicht Gegenstand unseres Gesprächs und schmälert seine historische Leistung als Notenbanker und als Überwinder des Monetarismus in
meinen Augen nicht wesentlich.

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Unser Geldsystem IX – die neunziger Jahre, das Jahrzehnt der Währungskrisen

Mit dem Ende der Ecukrise von 1992 begann ein Jahrzehnt der Währungskrisen, das es in sich hatte. Wie bei einem Lauffeuer bildeten sich über die ganze Welt verteilt immer neue Krisenherde. Es schien schon damals nur eine Frage der Zeit zu sein, bis das ganze fragile Gebäude in sich zusammenkrachen würde. Mexiko im Jahr 1994 folgte auf Europa 1992, dann kam Asien 1996, Osteuropa und Russland folgten kurz danach und Lateinamerika brannte von 1999 bis 2001. Auch während der großen Finanzkrise 2008 und 2009 gab es Währungskrisen, bei denen Brasilien, Island und Ungarn die wichtigsten Opfer waren.

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