Unser Geldsystem XXI: Der Zins (6)

Im vorigen Teil haben wir empirisch gezeigt, dass es einen entscheidenden Bruch in den Grundbedingungen für Wachstum in den westlichen Volkswirtschaften gibt. Vor 1980, insbesondere aber in den Jahren des Bretton Woods Abkommens (also bis Anfang der 70er Jahre), herrschten geldpolitisch vollkommen andere Bedingungen als nach dem Beginn der monetaristischen Revolution. Damit erweist sich jede Pauschalisierung im Sinne einer Durchschnittsbehandlung der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg von vorneherein als verfehlt. Wer Schlussfolgerungen zieht, die sich auf empirische Ergebnisse für diesen gesamten Zeitraum oder noch größere Zeiträume beziehen (wie das etwa Thomas Piketty tut), kann nur zufällig, nicht aber systematisch richtig liegen.

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Unser Geldsystem XX: Der Zins (5)

Nach unseren letzten beiden Stücken zum Zins steht noch aus, konkret zu zeigen, wie sich die Zinsverhältnisse in den wichtigsten Ländern der Welt über einen längeren Zeitraum entwickelt haben. Wir hatten ja herausgearbeitet, dass ein positiver Geldzins ohne Wachstum keine Daseinsberechtigung hat und (zumindest im kurzfristigen Bereich) tatsächlich bei Stagnation auch verschwindet, wie es das Beispiel Japans zeigt. Letztlich, so unsere Schlussfolgerung, kommt es auf das Verhältnis von Geldzins zu Wachstum an, wenn man einschätzen will, ob es der Wirtschaftspolitik gelungen ist, vernünftige Wachstumsbedingungen zu schaffen.

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Unser Geldsystem XIX: Der Zins (4)

Die konsequente Trennung von Geldzins (hier synonym für Zinssätze auf Finanzkapital unabhängig von dessen Fristigkeit, also für kurz und langfristige Zinsen) und der Rendite auf Sachkapital, das hat der vorige Teil dieser Serie gezeigt, schafft den Zugang zur Erklärung der Dynamik einer monetären Marktwirtschaft. Wann immer diese Trennung ignoriert oder vernachlässigt wird, ergeben sich Fehlschlüsse, die für die wirtschaftspolitischen Empfehlungen, die man aus der Analyse ableiten kann, gravierend sind.

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Unser Geldsystem XV: Was ist eigentlich Geld?

Ein Leser bemerkt zu einem unserer Artikel im Zusammenhang mit Sparen und Verschulden, es sei doch eine, wenn auch weit verbreitete Fiktion zu glauben, unsere Banknoten stellten eine Forderung gegenüber der Zentralbank dar. Diese Fiktion stamme wohl aus Zeiten des Goldstandards, als man von der Zentralbank tatsächlich den Umtausch von Geldscheinen in Gold verlangen konnte. Der Leser meint, wenn Geld überhaupt eine Art Forderung darstelle, dann nur eine „gegen den Markt“, weil man nur dort etwas eintauschen, etwas kaufen könne. Diese Frage ist sicher von allgemeinem Interesse für unsere Leser und passt sehr gut in unsere Serie über das Geldsystem. Wir werden in den abschließenden Folgen unsere eigene Auffassung, was Geld eigentlich ist und welche Rolle es im Rahmen einer monetären Marktwirtschaft gegenüber der Realwirtschaft spielt und spielen sollte, klarer darlegen und wirtschaftspolitische Schlussfolgerungen daraus ziehen.

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Unser Geldsystem XIV: Regionalgeld, privates Geld und Bitcoin

Die Frustration hinsichtlich des von den Staaten geschaffenen Geldsystems treibt mitunter erstaunliche Blüten. So wird Regionalgeld geschaffen (der Chiemgauer ist eines der bekanntesten in Deutschland) oder man kreiert Tauschringe, die versuchen, weitgehend ohne Geld auszukommen. Dabei geht es oft nicht nur um Geld an sich bzw. um dessen Vermeidung, sondern auch um die mit dem Geldsystem in unauflöslicher Verbindung gesehene Art des Wirtschaftens, also etwa um den verantwortungslosen Ressourcenverbrauch, das Verschwinden regionaler Vielfalt durch die Konkurrenz überregionaler Großanbieter oder auch die Bewertung von Arbeitsleistung und die Bedingungen, unter denen gearbeitet wird.

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Unser Geldsystem XII: Der Goldstandard und der Mythos von der absoluten Preisstabilität

„Nach Golde drängt, am Golde hängt doch alles“, meinen in Übereinstimmung mit Goethes Gretchen auch heute noch viele Menschen. Die Existenz eines aus dem Nichts geschaffenen und sozusagen mit nichts besicherten Papiergeldes erscheint ihnen zu unwahrscheinlich, zu ungewiss oder gar gefährlich, um ‚wahr’ oder doch wenigstens von Dauer sein zu können. War es nicht das Gold, das weltweit für viele Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts Stabilität geschaffen und garantiert hatte, obwohl es kaum internationale Zusammenarbeit im heutigen Sinne gab? War es nicht dieses „barbarische Relikt“, wie Keynes es genannt hatte, das auch nach dem Zweiten Weltkrieg noch dem globalen Währungssystem von Bretton Woods einen festen Anker gegeben hatte, jedenfalls so lange, bis die Amerikaner die Goldeinlösung der am Bretton Woods beteiligten Währungen suspendierten? Und ist es nicht Gold,
das in den vergangenen Jahren erneut erheblich an Wert gewonnen hat, weil die Menschen das Vertrauen in die Papierwährungen verlieren, was besser als alles andere zeigt, dass ein ungedecktes Geldsystem scheitern muss?

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Unser Geldsystem XI: Was von den letzten vierzig Jahren bleibt

Vor ein paar Tagen habe ich an einer Konferenz teilgenommen, auf der es zum einen um die Erkenntnisse Hyman Minskys ging, also platt ausgedrückt um den sich selbstverstärkenden Charakter von Finanzblasen. Zum anderen wurde auf der Konferenz auch über Geldpolitik und Deflation gesprochen. Wie schon im letzten Teil dieser Beitragsserie zu unserem Geldsystem festgestellt, hat sich auch hier wieder für mich bestätigt, dass der Monetarismus tot ist. Nur scheint kaum jemand zu wissen, was an seine Stelle treten soll.

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Wachstum in der Marktwirtschaft – notwendige Bedingung und Sackgasse zugleich?

Die beiden Videos entstanden auf einer Veranstaltung im Rahmen der Reihe „Wachstum wohin“, an der ich am 24.3.2014 in der Volkshochschule Linz teilgenommen habe.

Video 1: Begrüßung und Vortrag

Video 2: Fragen und Diskussion

Unser Geldsystem IX: die neunziger Jahre, das Jahrzehnt der Währungskrisen

Mit dem Ende der Ecukrise von 1992 begann ein Jahrzehnt der Währungskrisen, das es in sich hatte. Wie bei einem Lauffeuer bildeten sich über die ganze Welt verteilt immer neue Krisenherde. Es schien schon damals nur eine Frage der Zeit zu sein, bis das ganze fragile Gebäude in sich zusammenkrachen würde. Mexiko im Jahr 1994 folgte auf Europa 1992, dann kam Asien 1996, Osteuropa und Russland folgten kurz danach und Lateinamerika brannte von 1999 bis 2001. Auch während der großen Finanzkrise 2008 und 2009 gab es Währungskrisen, bei denen Brasilien, Island und Ungarn die wichtigsten Opfer waren.

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